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Qualitätsindikatoren im stationären Bereich

Die » Qualitätskommission der Schweizerischen Gesellschaft für Allgemeine Innere Medizin publiziert erstmalig eine Liste von Qualitätsindikatoren, die im stationären Bereich hilfreich sein können. Wichtig dabei ist, dass Indikatoren eingesetzt werden, um die Messung eines Qualitätsverbesserungszyklus im Rahmen eines geordneten Qualitätsverbesserungsprozesses zu unterstützen.

 

Basierend auf einer Literarturanalyse hat die Qualitätskommission mögliche Prozess-, Outcome- und Strukturqualitäts-Indikatoren diskutiert und Indikatoren identifiziert, die im Alltag in der Allgemeinen Inneren Medizin einen Qualitätsverbesserungszyklus unterstützen und stimulieren können. Sie hat die ausgewählten Indikatoren ausformuliert und deren Anwendbarkeit und Messbarkeit in einem iterativen Prozess optimiert. Alle Indikatoren wurden gemäss den » Kriterien, die auch das American College of Physicians (ACP) anwendet, überprüft (siehe auch » NEJM "Time Out — Charting a Path for Improving Performance Measurement"), und einem externen Review unterzogen (siehe auch » SAEZ Artikel "Qualitätsindikatoren für den stationären Bereich").

Patientenzentrierte Versorgungsqualität

1. Informationsfluss

Anteil provisorischer Austrittsberichte, die innerhalb von 24 Stunden an den nachbehandelnden Arzt/Ärztin übermittelt wurden mit Angaben über Diagnosen, Procedere und Medikamente (mit allfälligen Gründen für Medikamentenänderung).

 

Der Indikator hat zum Ziel, den nachbehandelnden Arzt/Ärztin die wichtigsten Informationen schnell zuzustellen, um die Weiterbehandlung sicherzustellen. Eine effektive und zeitnahe Information soll die Behandlungskontinuität verbessern, die Anzahl der ungeplanten Rehospitalisationen und vermeidbaren Komplikationen reduzieren.

 

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2. Neuverschreibung Benzodiazepine

Anteil älterer Patienten oder Patientinnen, bei denen während des Aufenthalts eine Therapie mit einem Benzodiazepin (oder anderen Sedativa/Hypnotika) neu begonnen wird. 

 

Der Indikator hat zum Ziel, Neuverschreibungen von Benzodiazepinen (oder anderen Sedativa/Hypnotika) zu reduzieren.

 

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3. Sturzprävention

Anteil der Patienten/Patientinnen ≥65 Jahre, die danach gefragt wurden, ob und wenn ja, wie oft (Anzahl) und in welcher Weise (Sturzhergang) sie in den letzten 12 Monaten gestürzt waren. 

 

Der Indikator hat zum Ziel, Patienten/Patientinnen mit einem erhöhten Sturzrisiko, bei denen eine präventive Intervention sinnvoll ist, zu identifizieren.

 

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4. Transfusionen

Anteil der Patienten/Patientinnen mit einer Transfusion bei einem Hämoglobin (Hb)-Wert von >8 g/dl. 

 

Der Indikator hat zum Ziel, die Zahl der Transfusionen, die potentiell nicht indiziert sind, zu reduzieren. 

 

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Allgemeine Versorgungsqualität

5. Critical Incidence Reporting System CIRS

Anteil der CIRS Fälle bei auf der AIM hospitalisierten Patienten, die analysiert und diskutiert werden.

 

Ziel des Indikators ist es, eine aktive Fehlerkultur mit Analyse und Diskussion von CIRS-Fällen zu stimulieren. 

 

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Mitarbeitergesundheit

6. Hepatitis B

Anteil der Mitarbeitenden der AIM im Kontakt mit Blut oder mit blutkontaminierten Materialien, der einen ausreichenden Hepatitis-B-Impfschutz aufweist.

 

Der Indikator hat zum Ziel, Hepatitis-B-Übertragungen am Arbeitsplatz zu verhindern und die Arbeitsplatzsicherheit zu verbessern.

 

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© SGAIM (Illustrationen: Hahn+Zimmermann)

Nicht empfohlene Qualitätsindikatoren im stationären Bereich

1. Anteil vermeidbarer Rehospitalisationen (am Beispiel des vom Nationalen Verein für Qualitätsentwicklung in Spitälern und Kliniken (ANQ) verwendeten Indikators)

Der Indikator hat zum Ziel, potenziell vermeidbare Rehospitalisationen zu identifizieren und durch Analyse der Ursachen eine Qualitätsverbesserung zu erreichen. Hauptkritikpunkt bei diesem Indikator ist, dass die Messmethode ungenügend genau wirkliche Fälle von vermeidbaren Rehospitalisationen diskriminiert. Weiter fehlt qualitativ hochstehende klinische Evidenz dazu, dass die Anwendung des Indikators zu einer Verbesserung der Behandlungsqualität führt. Da die Zuteilung der Fälle durch den Algorithmus (vermeidbar / nicht-vermeidbar) nicht nach transparenten und akzeptierten Kriterien erfolgt und der Algorithmus nicht nachvollziehbar ist, ist er auch nicht in der Klinik anwendbar und durch die Ärzte und Ärztinnen beeinflussbar. 

 

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2. Zufriedenheit der Patienten / Patientinnen mit ihrem Aufenthalt im Akutspital (am Beispiel der Erfassung durch den Verein ANQ)

Der Indikator hat zum Ziel, eine allgemeine Zufriedenheit mit einem Spitalaufenthalt als Surrogat für die Behandlungsqualität abzubilden. Die Patientenzufriedenheit kann nicht mit der Behandlungsqualität gleichgesetzt werden und ist daher kein geeigneter Indikator, um die Behandlungsqualität zu verbessern. Weiter ist die Definition der «allgemeinen Zufriedenheit» zu unklar, um daraus Massnahmen abzuleiten. Weiter erfasst die Messmethodik der ANQ-Erhebung nicht alle Patienten / Patientinnen und die Adjustierung für wichtige Einflussfaktoren ist zu ungenügend, um verschiedene Spitäler miteinander vergleichen zu können (unzulässiges Benchmarking, "Vergleich von Äpfeln mit Birnen").

 

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3. Stichtagerhebungen von Outcome-Indikatoren vermeidbarer Behandlungskomplikationen (am Beispiel der Erfassung Sturz und Dekubitus durch den Verein ANQ)

Stichtagerhebungen können keine Aussagen über zeitliche Entwicklungen machen. Bei Outcome-Erhebungen ist es wichtig, dass Veränderungen im zugrundeliegenden Problem erfasst werden (z.B. Schweregrad eines Dekubitus kann an einem Tag ein Grad I und einige Tage später ein Grad III sein). Bei nicht regelmässigen Ereignissen und Ereignissen mit zeitlichen Veränderungen sind Querschnittserfassungen anfällig auf Verzerrungen und nicht geeignet, um die Pflegequalität zu erfassen. Damit Outcome-Raten unerwünschter Behandlungskomplikationen interpretiert werden können, sollte für klinisch relevante, genügend detailliert erfasste Einflussvariablen adjustiert sowie sinnvolle Prozessindikatoren ergänzt werden. 

 

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